Im Schatten der großen Vier

Mit sieben Turniersiegen 2012 hat David Ferrer eigentlich öfter gewonnen, als jeder andere Spieler der ATP-Tour. Der Tennisprofi ist mit 30 Jahren auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Auch 2013 begann die Saison für den Spanier vielversprechend. Trotzdem ist die Lücke zu den Top-Vier-Spielern immer noch groß.

 

Das Halbfinale der Australian Open war bezeichnet für David Ferrer. Dort traf er auf den Weltranglistenersten Novak Djokovic und bekam eine herbe Abreibung. Schon nach 89 Minuten verwandelte der Djoker den ersten Matchball zum 6:2, 6:2, 6:1. Ferrer verpasste zum wiederholten Male den Einzug in ein Grand-Slam-Finale. „Ich hatte heute nicht den Hauch einer Chance zu gewinnen. Er war in allen Belangen besser als ich“, analysierte der Spanier nach dem Match gegenüber Tennis News kühl.

 

Der Turnierverlauf in Melbourne steht Stellvertretend für die Situation, in der sich Ferrer momentan befindet. „Er schlägt alle Spieler unter sich in der Weltrangliste und wartet darauf, die Jungs über ihm anzugreifen“, sagte Jason Goodall, britischer Ex-Spieler und Kommentator. Doch bisher blieb dieser Angriff aus. Zwar hat der 30-Jährige Rafael Nadal von Platz Vier der Weltrangliste verdrängt, doch nur weil sein Landsmann lange verletzt war. In Acapulco ballerte Nadal seinen Kollegen mit 6:0, 6:2 vom Platz.

 

David Ferrer ist trotzdem in der Form seines Lebens. 2012 gewann er 76 Matches und sieben Turniere, mehr als alle anderen Spieler der ATP-Tour. Auch 2013 startete er mit Turniersiegen in Auckland und Buenos Aires in die Saison. Er hat eine starke Physis und Ausdauer. Er gibt nie einen Ball verloren und Roger Federer bezeichnet ihn als „den besten Return-Spieler auf der Tour“. Tommy Haas, der gegen ihn in Miami ausgeschieden war, nannte ihn gar eine „unermüdliche Ballmaschine“. Konditionell macht ihm keiner etwas vor.

 

Doch warum gelingt ihm der Sprung unter die besten Vier der Welt nicht wirklich? Gegen die Big Four hat der Spanier eine schwache Bilanz. In den letzten beiden Jahren konnte er nur vier Siege in 18 Duellen gegen Djokovic, Murray, Federer oder Nadal feiern. Vor allem Federer liegt dem 30-Jährigen überhaupt nicht. Bei allen 14 bisherigen Begegnungen konnte der Schweizer triumphieren. Ferrer resigniert, sobald er auf die Bilanz gegen die großen Vier angesprochen wird: „Sie sind einfach besser als ich. Was kann ich da machen?“

 

Was dem 1,75 Meter großen Spanier auf Djokovic und Co. fehlt, ist die Fähigkeit ein Match zu dominieren. Selbst wenn er klar gewinnt, haben die Gegner meist mehr Winner vorzuweisen als Ferrer. Damit ist er abhängig von den Fehlern der anderen. Deshalb ist Federer, der einer der sichersten Spieler der Tour ist, auch sein Angstgegner. Nur selten geht Ferrer ans Netz, um Druck aufzubauen. Zudem ist seine Rückhand keine wirkliche Waffe, um Ballwechsel schnell zu entscheiden. Auch sein erster Aufschlag ist im Vergleich zu den in der Weltrangliste vor ihm platzierten im Durchschnitt 10 km/h langsamer. Ferrer will aber an diesen Schwächen diszipliniert arbeiten, um zur Weltspitze aufzuschließen. „Ich will mich jedes Jahr weiter verbessern. Dieses Jahr will ich weiter an meinem ersten Aufschlag arbeiten und meine Rückhand optimieren.“

 

Dass er sein Spiel in den nächsten Jahren auf das Niveau eines Djokovic heben kann, bleibt allerdings zu bezweifeln. Der Djoker, Murray und Nadal sind vier bis fünf Jahre jünger, haben quasi die Zeit auf ihrer Seite. Wenn Nadal wieder voll auf genesen ist und angreift, wird Ferrer seinen Platz unter den besten Vier auch bei den Tennis Wettnachrichten bald wieder abgeben müssen.   

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